Sch"näh"eule

Zu dick, zu dünn, zu unförmig

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„Duhuuu, Mama?!“ – „Ja?!“ – „Warum ist die Frau vor uns, so viel dicker, wie du?“ – „Ach, meine Kleine, die Frau ist bestimmt krank und ist deswegen so dick!“
Dieses Gespräch haben eine junge Mutter und ihr Tochter an der REWE-Kasse geführt, während ich vor Ihnen meinen Einkauf auf das Band gelegt habe…

Body Shaming

Eigentlich, gibt es schon genügend Zeitschriften und Blogs, die über das Phänomen „Body Shaming“ schreiben, aber nach dieser Erfahrung im Supermarkt muss ich meinen Senf auch dazu geben… Es kann doch nicht sein, dass man von wildfremden Menschen bewertet und kritisiert wird und nur noch anhand von Äußerlichkeiten beurteilt wird! Ständig bekommen wir in Zeitschriften und im Fernsehen Bilder von angeblich perfekten Frauen- und Männerkörpern gezeigt… Klar, dass man diesen Schönheitsidealen nacheifern möchte, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass diese Schönheitsideale nur durch Photoshop erreicht werden! Kaum jemand entspricht dieser gewünschten Norm der Gesellschaft und trotzdem soll man sich dafür schämen, nicht dieser Norm zu entsprechen?

Ich habe lange gebraucht um meinen Körper, so wie er ist, zu akzeptieren. Ich fand mein breites Becken immer schrecklich und am liebsten hätte ich jeden Makel und jede Problemzone eliminiert oder versteckt, während ich vorm Spiegel stand dachte ich „Einen Bikini kann ich mit meinem Bauchspeck doch gar nicht tragen, höchstens einen Badeanzug“ oder „Leggings mit Größe 44? Ein No-Go!“ Es war ein langer und steiniger Weg, aber heute quälen mich nur noch selten Selbstzweifel, wenn ich ein kurzes Kleid anziehen möchte, dann tue ich das!

Ich gebe es ganz offen und ehrlich zu, auch ich habe mir von Zeit zu Zeit gedacht „Die hat ja richtige Speckröllchen“ oder „Gut, dass ich nicht so ein Hungerhaken wie die da hinten bin.“, es war wirklich schwer diese Gedanken und Vorurteile abzulegen, dass gelingt mir nicht immer, aber meistens, denn wie andere Menschen aussehen, geht mich nichts an – mich betrifft nur, wie sie sich mir gegenüber verhalten.

Mich persönlich hat nicht die Frage des Mädchens geärgert, sondern die Antwort ihrer Mutter… Ich konnte es in diesem Moment nicht fassen, dass sie mir eine Krankheit unterstellt hat, nur um ihrem Kind zu erklären, dass ich nicht so schlank bin wie sie! Bei jeder anderen Erklärung hätte ich meinen Mund gehalten, aber diese Antwort war für mich einfach vollkommen inakzeptabel. Ich konnte meinen Ärger in dem Moment leider nicht komplett runter schlucken und sagte zu ihr: „Entschuldigung, ich habe nur gerade mitbekommen, was Sie zu Ihrer Tochter gesagt haben und wollte Ihnen einfach nur mitteilen, dass ich kerngesund bin und es mir bestens geht!“

Die Dame wäre wohl am liebsten im Boden versunken, aber in diesem Moment konnte ich einfach nicht anders…

Fotograf: Regina Friebel | SichtFabrik

Genäht habe ich das Kleid „Mor Auryn“, nach dem Schnittmuster von Karlotta-Klamotta Ein unglaublich wandelbarer Schnitt, der keine Wünsche offen lässt. Man kann nicht nur zwischen drei verschiedenen Rockvarianten wählen, sondern auch mit verschiedenen Materialien spielen! Dank der Wiener Nähte kann das Oberteil perfekt an die eigene Figur angepasst werden oder man lässt das Oberteil einfach weg und näht sich einen knaller Rock Maxikleid oder Ballonrock?! Auch das ist kein Problem! Ich habe selten ein Schnittmuster gesehen, dass so viele unterschiedliche Möglichkeiten bietet.

Für meine „Mor Auryn“ habe ich einen festen Baumwollstoff in Leopardenoptik verwendet, den ich auf dem Stoffmarkt Holland gekauft habe! Nach meinem ersten Besuch auf dem Stoffmarkt war ich ein wenig geschockt und hatte mir eigentlich vorgenommen keinen Fuß mehr auf einen Stoffmarkt zu setzen, aber letztendlich habe ich mich dazu entschlossen, mich nicht von diesen „Einzelfällen“ abschrecken zulassen, denn eigentlich geht es ja dort relativ gesittet zu! Allerdings, finde ich es immer noch nicht normal, wenn sich erwachsene Frauen um Stoff prügeln…
Übrigens hat der Stoff meinem Mann nicht so gut gefallen und als das Kleid schließlich fertig war, meinte er: „Ich mag den Stoff noch immer nicht, aber er steht dir!“

Fotograf: Regina Friebel | SichtFabrik

Was sagt ihr eigentlich zu den Bildern? Die hat natürlich wieder einmal meine liebe Schwägerin in Spe, Regina gemacht  Ach, ich bin so begeistert von den Bildern, denn wir haben es endlich mal in ein Rapsfeld geschafft, bevor es abgemäht wurde. Irgendwie haben wir uns das jedes Jahr vorgenommen, aber nie geschafft… An dieser Stelle habe ich wieder mal ein paar funfacts und natürlich ein Outtake für euch

  1. Raps färbt ab und das ziemlich stark… Meine „Mor Auryn“ musste ich nach Fotoshooting ein paar Mal waschen
  2. Raps kann ziemlich hoch werden und zwar so hoch, dass man mich kleinen Wunderstumpen nur noch sieht, wenn ich auf Zehenspitzen stehe!
  3. Im Raps leben viele kleine schwarze Käfer, die einfach überall sind, wenn man sich „nur“ mal kurz in ein Rapsfeld stellt, um Fotos zu machen Die waren wirklich überall…!

Ich empfehle euch unbedingt einmal auf ihrer Facebookseite vorbei zu schauen oder auf ihrem Instagramaccount! Dort zeigt sie unter anderem wundervolle Landschafts- und Makroaufnahmen, aber auch Bauwerke, die sie gekonnt in Szene setzt.

Fotograf: Regina Friebel | SichtFabrik

Verlinkt bei: Crealopee, Freutag, WeWol


Schnittmuster:
Karlotta-Klamotta | „Mor Auryn*“

Plotterdatei:
/

Stoffe / Materialen:
Stoffmarkt Holland | Baumwolle „Leopard – silber/grau“
Alles für Selbermacher* | Bündchenware „schwarz“, BW-Paspel, Reißverschluss (nahtverdeckt)

Genähte Größen:
44

* Werbung/Affiliate Link

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Autor: Luisa Friebel

Hier auf meinem Blog findet ihr alles rund ums nähen, selbermachen und meine Gedanken zum Leben. Weiterlesen…

3 Kommentare

  1. Oh ja, die Erfahrung hatte ich auch zu genüge, allerdings als Kind – schwarze Fliegen sind tatsächlich überall und gefühlt noch Tage später da… Zu Deinen einleitenden Worten möchte ich nur kurz anmerken: Wieso hörst Du hin? Solange man selbst im Reinen mit sich ist, muss man auch keine Rechenschaft ablegen! 🙂 Übrigens, die Reaktion Deines Mannes kommt mir bekannt vor und brachte mir arg zum Grinsen! Und ja logo, das Kleid gefällt mir auch sehr gut 🙂 Liebe Grüße, Jenny

  2. Hallo meine Liebe,

    zu allererst: danke für dein Verlinkung bei WeWol! Schön, dass du diesen Beitrag geteilt hast, denn ganz ehrlich ich war mit der Einleitung etwas geschockt. Nicht, dass du es geschrieben hast … sondern genau wie du über die Mutter! Kinder sagen einfach das, was in ihnen vorgeht und man wird oft als Eltern oder auch Tante/Onkel/Großeltern vor harte Proben gestellt um die Fragen zu beantworten. Gerade solche Fragen, die dann auch noch von der betreffenden Person mit Sicherheit gehört wurden, sind immer heikle Themen und ich finde, jedes Kind sollte natürlich seine Antwort bekommen aber eben so, dass keiner sich angegriffen oder verletzt wird.

    Die Aussage der Mutter ist total falsch gewesen! Da stimme ich dir zu! Es gibt eben unterschiedliche Menschen. Dick, dünn, klug, nicht so klug – auch Hautfarben können Kinder öfters irritieren und echt peinliche Situationen hervorrufen! *augen-zu-halt* Aber allen Voran ist es doch die richtige Antwort zu sagen, dass eben „jeder Mensch anders ist und die Frau vor uns einfach nur etwas anders ist wie ich. Das ist auch gut so, wäre ja schlimm wenn wir alle gleich aussehen würden!“

    Im Übrigen finde ich dein Kleid entzückend und die Bilder auch! Richtig schön und steht dir klasse! Und ich finde es gut, dass du etwas zu der Mutter gesagt hast sowie zu dir stehst, so wie du bist. Denn genau so ist es richtig und auch wichtig! Nur so kann man sich doch in seinem Leben wohl fühlen! Und im Übrigen wäre ich vermutlich auch geplatzt …

    Alles Liebe und Gute für dich

    <3-lichst Eva

    • Hi 🙂
      Vielen Dank für deine lieben Worte!
      Ich persönlich hätte mit der Antwort „…, weil jeder Mensch unterschiedlich ist!“ gerechnet, aber die Erklärung der Mutter fand ich schon ziemlich heftig und ich gebe zu, dass mich das noch immer etwas beschäftigt!
      Liebe Grüße
      Luisa von Sch“näh“eule

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